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Dr. Robert Boehringer

Dr. Robert Boehringer

Der Sproß der weit verzweigten Unternehmerfamilie, die seil 1885 das Antlitz Ingelheims entscheidend mitgeprägt hat, wurde am 30. Juli 1884 in Winnenden geboren. In Basel ging er zur Schule und legte unter der schwäbischen Devise "Furchtlos und treu" die Grundlagen einer eigenen, unverwechselbaren Art der Daseinsgestaltung. In den Wirren übermütiger, von Leidensschaft geprägter Jugendjahre, fand Robert Boehringer das Gesetz seines Daseins. Mit seiner Selbstdisziplin, die Ärzte und Mitarbeiter in Erstaunen setzte, gewann er seinem hoch gewachsenen und breitschultrigen, aber anfälligen Körper nicht nur die hohen Jahre, sondern auch die Werke ab, die ihn zu einem der letzten Vertreter abendländischer Universalität im goetheschen Sinne stilisierten. lm Untergrund dieses Daseins wirkte der Wahlspruch des Prinzen von Wales: "Ich dien' ".

 

Robert Boehringer erster Dienst galt, wie sein letzter, der geliebten deutschen Sprache. Niederschlag dieses Dienstes bildete nicht nur eine lange, sein Leben überglänzende Freundschaft mit Stefan George und die Sorge um den literarischen Nachlass des Dichters, sondern auch die erläuternde Nacherzählung von Dantes Göttlicher Komödie und eigenes dichterisches Schaffen.

 

Die abendländische Weite seines Geistes dokumentiert die frühe Promotion zum Doktor der Nationalökonomie und seine zeitweilige Tätigkeit als Lehrer für Geschichte in Berlin. Ganz auf der Linie dieses freiwilligen Dienens lag es, dass Robert Boehringer während des Ersten Weltkrieges die Zügel des Ingelheimer Familienunternehmens in die Hand nahm, weil der Gründer der Firma - Albert Boehringer - als Chef einer Sanitätskompanie im Feld stand. Nach dem Kriege kehrte er in die Schweiz zurück, um teils in leitender Stellung, teils als Berater bei zwei großen Unternehmen der Schweizer pharmazeutischen Industrie zu wirken. In diese Zeit fällt auch Boehringers Habilitation und seine Tätigkeit am Kieler Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr sowie der Beginn der für das Ingelheimer Werk segensreichen Freundschaft mit dem 12 Jahre jüngeren Vetter Dr. Ernst Boehringer.

 

1930 ging Robert Boehringer nach Genf, wo er später das Schweizer Bürgerrecht erwarb. Seit 1933 hat er deutschen Boden nicht mehr betreten, alles Angebräunte aus seinem Umkreis verbannt und sich literarisch mit den Weltbildern Homers und Platons als dem Wurzelgrund des abendländischen Geistes befasst.

 

Die Not und das Leid, die der Zweite Weltkrieg heraufbeschwor, rissen Robert Boehringer aus literarischer Produktivität in neues großes Dienen. Er stellte sein Organisationstalent und seine Kunst der Menschenführung dem Internationalen Roten Kreuz in Genf zur Verfügung. Seine Fähigkeit, angeblich unüberwindliche Schwierigkeiten zu meistern, kam vielen Tausenden von Notleidenden zugute, nachdem er das "Vereinigte Hilfswerk vorn Roten Kreuz" ins Leben gerufen und dessen Leitung übernommen hatte. Damals entstand im Kreise seiner Mitarbeiter das Wort von der pax robertiana - vielleicht gerade deshalb, weil er alles andere als ein bequemer Vorgesetzter war.

 

Am 9. August 1974 verstarb Robert Boehringer in Genf kurz nach Vollendung seines 90. Lebensjahres. Wirkung von 30. Juli 1974 wurde er posthum zum Ehrenbürger der Stadt Ingelheim ernannt worden.