Mehrgenerationenhaus simuliert das Leben im Jahr 2050

Die Teilnehmer der Demografiesimulation. Foto: Carolin Kleine-Weitzel

„Die Demografie Simulation dient dazu, dass bei allen Beteiligten die demografischen Fakten aus dem Kopf in den Bauch wandern. Es soll Bewusstsein geschaffen werden, dass wir heute handeln müssen“, so Bürgermeisterin Eveline Breyer, die als zuständige Dezernentin für die Demografie-Strategie dieser Veranstaltung den Rahmen gab.

Das Mehrgenerationenhaus Ingelheim blickte gemeinsam mit der Stadtverwaltung und zivilgesellschaftlichen Gruppen wie Vereine, Schulen, Kirchen und Ehrenamtliche auf die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur. In einem Dialogprozess übernimmt das Mehrgenerationenhaus die Federführung bei der Erarbeitung eines Demografie-Strategiepapiers: Wie werden wir leben, wenn sich unsere Gesellschaft verändert? Was bedeutet diese Entwicklung für Vereine, Schulen, Kitas, soziale Institutionen, den Wohnungsmarkt, Unternehmen und den Nahverkehr vor Ort? Werden Jugendclubs in Seniorenzentren umgebaut, müssen Unternehmen stärker um Mitarbeiter werben und verändert sich das Vereinsleben? All dies sind Veränderungsprozesse in einer Stadt, in der die Bevölkerung immer älter wird.

Um diese Fragen zu beantworten, fasste das Mehrgenerationenhaus dieses Thema nun mit einer innovativen Methode an: In einer „Demografie-Simulation 2050“ haben Teilnehmer spielerisch in acht Gruppen ausprobiert, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, wenn sich die demografischen Strukturen ändern. In Fünfjahresschritten betrachteten die Mitwirkenden, wie sich die Gesellschaftsstruktur vor Ort entwickelt, welche Herausforderungen das bedeutet und wie Lösungen gefunden werden können. So geht es um Mobilität für Jung und Alt, barrierefreier und bezahlbarer Wohnungsbau, Ausbau der Ehrenamtsgewinnung, „Gute Jugend im Alten Ort“, „Gesunde Stadt“.

 

Eric Flügge von der S&N Kommunalberatung, der die Moderation leitete, legte den Blick nicht auf die Senioren, sondern auf die Jugendlichen und welchen Einfluss deren zahlenmäßige Veränderung auf alle Altersgruppen hat.

Durch die Ergebnisse der Simulation machten sich die Beteiligten bewusst, wo angesetzt werden muss, um nicht Getriebene, sondern Gestalter des demografischen Wandels zu sein.

Das Mehrgenerationenhaus nimmt im Prozess eine moderierende und vernetzende Funktion ein. Dabei möchten wir auf die schon bestehenden Strukturen und Kooperationen aufbauen und hoffen auf eine große Beteiligung der Ingelheimer Bevölkerung. Wir freuen uns über Anregungen und Ideen“, erläutert die Leiterin Birgit Kleine-Weitzel. „Gute Ideen werden weitergetragen, können angepasst und weiterentwickelt werden“. So werden die Teilnehmer der aktuellen Runde mit dem nötigen Handwerkszeug versehen, das sie in weiteren Workshops und Arbeitsgruppen erarbeiten, um als Multiplikatoren Ideen und Projekte zu finden und praxisreif zu entwickeln. Um für die Herausforderungen des demografischen Wandels gewappnet zu sein, ist es von besonderer Bedeutung, einen regelmäßigen Austausch zwischen den Entscheidungs- und Projektebenen zu haben und die Maßnahmen gemeinsam zu erarbeiten.

„So sollen z.B. die zukünftigen Neubürger durch das Einwohnermeldeamt über das mögliche Engagement bei der Ingelheimer Freiwilligen Feuerwehr aufmerksam gemacht werden. Ziel ist es, Menschen, die sich  schon an ihrem alten Wohnort für die Feuerwehr engagiert haben, auch für die Ingelheimer Feuerwehr zu gewinnen. Bei der Beantragung der Rente wird zukünftig schon auf die vielfältigen Möglichkeiten der ehrenamtlichen Engagements in Ingelheim hingewiesen.“, skizziert  Bürgermeisterin Eveline Breyer die ersten Umsetzungsschritte.