Dreierpartnerschaftstreffen der Partnerstädte Autun-Stevenage-Ingelheim

Bild: Der Partnerschaftskelch der Städte Autun, Stevenage und Ingelheim wandert in die Hände der stellvertretenden Bürgermeisterin von Autun, Josette Joyeux. Foto: Stadtverwaltung/dtg

Bild: Der Partnerschaftskelch der Städte Autun, Stevenage und Ingelheim. Foto: Stadtverwaltung/dtg

Bild: Die stellvertretenden Bürgermeisterin von Autun, Josette Joyeux zusammen mit dem Hofstatt und dem Stevenager Jung-Bürgermeister. Foto: Stadtverwaltung/dtg

Bild: Auf dem Schiff waren rund 150 Personen. Foto: Stadtverwaltung/dtg

Das verlängerte Wochenende um Christi Himmelfahrt stand ganz im Zeichen der Städtepartnerschaften. Denn bereits seit 1975 begegnen sich die Städte Autun, Stevenage und Ingelheim jährlich zum traditionellen Dreierpartnerschaftstreffen. In diesem Jahr war Ingelheim die Gastgeberstadt. Neben den Delegationen, bestehend aus Stadtoberhäuptern und offiziellen Vertretern, reisten auch Bürgerinnen und Bürger mit. Diese waren bei Gastfamilien und Freunden untergebracht. Ein bunt gestaltetes Programm, das in wesentlichen Teilen vom Förderverein Ingelheimer Städtepartnerschaften (FIS) vorbereitet und durchgeführt wurde, sollte den Besuchern Ingelheim und die nähere Umgebung zeigen. So ging es nach Frankfurt oder zum Kloster Eberbach. Für die Delegation fand am Samstag ein Arbeitstreffen im neuen Weiterbildungszentrum statt. Als Thema wurde der „Demografische Wandel in den Städten und Kommunen“ vereinbart. Bürgermeisterin Eveline Breyer stellte Stevenage und Autun das Demografiekonzept für Ingelheim vor. Die Stadt Autun hat eine Dienststelle eingerichtet, die sich der Förderung von Vielfalt und dem Kampf gegen Diskriminierung widmet. So wurden Räume zur Teilhabe, Stadtviertelfest und gemeinsam genutzte Gärten geschaffen. Der Fokus der Stadt Stevenage lag im Vortrag auf der Gestaltung eines neuen Stadtzentrums mit dem Blick auf die sich verändernde Gesellschaft. Rege Diskussionen und Anmerkungen ergänzten das Arbeitstreffen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen Ideen und Anregungen mit in ihre Stadt. Im Anschluss gab es noch einen Ausblick auf das kommende Jahr und der frisch gewählte „Youth Mayor“, zu Deutsch Jungbürgermeister, aus Stevenage kam zu Wort. Santino de Freitas ist 14 Jahre alt und wurde von den Jugendlichen der Partnerstadt für ein Jahr gewählt, um das Amt auszuführen. Er möchte in seiner Zeit sich für die Gesundheit der Jugendlichen in seiner Heimatstadt einsetzen.

Nach der vielen Arbeit am Morgen stand am Samstagabend traditionell der offizielle Partnerschaftsabend mit Reden, Austausch von Gastgeschenken, Essen, Musik und Tanz auf dem Programm. Zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern der Partnerstadt, aber auch mit den Gastfamilien aus Ingelheim wurde eine kleine Schiffstour auf dem Rhein unternommen. Rund 150 Gäste begrüßte Oberbürgermeister Ralf Claus. Zu Beginn seiner offiziellen Rede legte er eine Schweigeminute für die verstorbenen Opfer des Anschlags in Manchester ein. Im Anschluss betonte Claus, dass die Brexit-Entscheidung die Partnerschaft nicht negativ beeinflussen darf, und dass nach wie vor im Geiste des europäischen Gedankens die Partnerschaften gepflegt, gefördert und ausgebaut werden. In allen Reden stand das heutige Europa im Mittelpunkt. „Long live Europe – Vive l´Europe – Es lebe Europa“ mit diesen Worten beendeten alle Delegationsvertreter ihre kurzen Ansprachen. Im Anschluss übergab Oberbürgermeister Ralf Claus den Partnerschaftspokal an Josette Joyeux aus Autun. Denn hier findet im kommenden Jahr das Dreierpartnerschaftstreffen statt.

Sonntags gab es für die französischen und englischen Gäste zunächst eine interessante Führung durch Ober-Ingelheim, nachmittags einen Ausflug nach Kloster Eberbach bevor schließlich das Partnerschaftstreffen mit einem Grillfest auf der Waldeck beendet wurde. Die französische und englische Delegation war voll des Lobes für das Programm. Oberbürgermeister Claus bedankte sich abschließend besonders bei den Ingelheimer Gastfamilien für deren Engagement und beim FIS, dem Förderverein Ingelheimer Städtepartnerschaften, und dessen Vorsitzenden Joachim Gerhard für die Organisation und Durchführung des Programms.

Rede des Oberbürgermeisters am Partnerschaftsabend
Dear Pam,
dear Sharon,
chère amie Josette,
dear Friends of Stevenage,
chers Amis d’Autun,
liebe Ingelheimerinnen und Ingelheimer,
ein herzliches Willkommen zu unserem Partnerschaftsabend anlässlich unseres Dreierpartnerschaftstreffens 2017. Ich freue mich sehr, dass Sie, liebe Gäste aus Autun und Stevenage nach Ingelheim gekommen sind, um in der Tradition unserer jährlichen Treffen die Begegnung zwischen den Bürgerinnen und Bürger unserer drei Städte zu pflegen. Und ich freue mich ebenso darüber dass Sie, liebe Ingelheimer Gastfamilien unsere Gäste so warmherzig empfangen und beherbergt haben. Vielen Dank dafür.

Unsere Partnerschaft lebt seit nunmehr mehr als fünf Jahrzehnten von dieser jährlichen Begegnung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern sowie der Verwaltung und der Politik. Unsere Partnerschaft lebt aber auch von den vielen Begegnungen zwischen Vereinen, Institutionen und Schulen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe dies weiterhin zu fördern und auszubauen. Besonders stolz bin ich auf die jährliche Jugendbegegnung „Three Towns - One Vision“, die – nach anfänglichen Schwierigkeiten – auch in diesem Jahr wieder stattfinden wird.

Liebe Freundinnen und Freunde aus Stevenage und Autun, liebe Ingelheimerinnen und Ingelheimer,
Seit vielen Jahrzehnten beenden wir unsere Reden anlässlich unserer Partnerschaftstreffen mit dem Appell: Long live Europe - Vive l´Europe  - Es lebe Europa!

Dieses Europa hat aber erhebliche Risse bekommen  - es ist nicht mehr das Europa unserer letzten Begegnung im Mai des vergangenen Jahres. Wir müssen uns vielmehr große Sorgen machen um den Fortbestand des europäischen Gedankens und der Europäischen Union als eine Wertegemeinschaft. Die für viele von uns so unvorstellbare Brexit-Entscheidung des britischen Volkes und das Erstarken Anti-Europäischer Bewegungen in fast allen Ländern Europas muss uns alarmieren.

Wir haben die Entscheidung Großbritanniens aus der Europäischen Union auszuscheiden als eine ur-demokratische Entscheidung selbstverständlich zu respektieren, so unverständlich, wie dem einen oder anderen von uns dies auch erscheinen und wie schwer dies vielen – und hier schließe ich mich ausdrücklich ein – überzeugten Europäern dies auch fallen mag. Ich weiß, dass die überwiegende Mehrheit unserer Freundinnen und Freunde aus Stevenage sich einen Verbleib in der EU gewünscht hätten und sich aktiv dafür eingesetzt hatten.

Unsere Partnerschaft allerdings wird und darf die Brexit-Entscheidung nicht negativ beeinflussen. Wir werden nach wie vor im Geiste des europäischen Gedankens unsere Partnerschaft pflegen, fördern und ausbauen. Denn gerade in diesen Krisenzeiten ist unser Zusammenhalt und ist unser Engagement besonders wichtig. Gerade in Zeiten, in denen der europäische Gedanke in so vielen Mitgliedsstaaten in Frage gestellt wird kommt nämlich Partnerschaften wie zwischen unseren drei Städten eine besondere Bedeutung und Verantwortung zu. Niemand ist näher an den Bürgerinnen und Bürgern als wir in den Städten und Gemeinden. Machen also gerade wir als Kommunalpolitikerinnen und -politiker aber auch Sie alle, die Sie unsere Partnerschaft und unseren regelmäßigen Austausch als erlebbare und gelebte europäische Zusammenarbeit verstehen, anderen Menschen – insbesondere denen die an Europa zweifeln – deutlich, dass ein Europa enger Zusammenarbeit für uns alle weiterhin unverzichtbar ist, unabhängig von einer faktischen EU-Mitgliedschaft.

In diesem Sinne möchte ich Ihnen zum Abschluss umso überzeugter und eindringlicher - und wenn sie so wollen auch ein wenig trotzig - zurufen:
Long live Europe - Vive l´Europe  - Es lebe Europa
Long live the tripartite twinning,
vive notre jumelage a trois,
es lebe die Partnerschaft Stevenage-Autun-Ingelheim.