Archäologische Ausgrabung Rotweinstraße 2017

Bild: Oberbürgermeister Ralf Claus und Beigeordnete Irene Hilgert informierten sich über die aktuelle Grabung in der Rotweinstraße. Foto: Stadtverwaltung/dtg

Bild: Geomagnetische Untersuchung des Grabungsgeländes in der Rotweinstraße durch Patrick Mertl M.A., Universität Mainz (prospektiert) und Alexander Slowikow M.A., Forschungsstelle Kaiserpfalz. Foto: Stadt Ingelheim

Bild: Geomagnetische Untersuchung des Grabungsgeländes in der Rotweinstraße durch Patrick Mertl M.A., Universität Mainz (prospektiert) und Alexander Slowikow M.A., Forschungsstelle Kaiserpfalz. Foto: Stadt Ingelheim

Am 2. Juni hat eine neue archäologische Grabungskampagne auf dem merowingerzeitlichen Gräberfeld im Bereich Rotweinstraße, Stevenagestraße und Kreuzbergstraße begonnen. Die Ausgrabungen werden von der Forschungsstelle Kaiserpfalz der Stadt Ingelheim in Abstimmung mit den Eigentümern und der Landesarchäologie durchgeführt. Sie dienen der Erforschung des Gräberfeldes und dem Ziel, stadtplanerische Belange in Hinsicht auf eine spätere Bebauung zu unterstützen. Dies bedeutet, dass bereits lange bevor die Fläche für eine künftige Bebauung beplant und frei gegeben wird, die archäologischen Grabungen durchgeführt werden, um spätere Abläufe nicht zu verzögern.

Bereits in den siebziger Jahren begann die wissenschaftliche Erforschung des merowingischen Gräberfeldes in der Rotweinstraße. Die erfolgreichen Untersuchungen brachten erste genaue Erkenntnisse zur Datierung und örtlichen Struktur dieser Fundstelle hervor. Die mehr als 150 Gräber weisen auf eine Zeitstellung des Gräberfeldes zwischen den Jahren 525-700 hin. Unter vielen Gräbern mit typischen Beigaben wurde auch ein reich ausgestattetes Frauengrab entdeckt, das man heute im Landesmuseum in Mainz besichtigen kann. Die archäologischen Grabungen wurden im Jahr 1990 von der Landesarchäologie in Mainz wieder aufgenommen. Auch diese Kampagne brachte zahlreiche neue Bestattungen zutage.
Sowohl diese Untersuchungen sowie weitere zufällige Fundmeldungen, als auch bevorstehende Bauvorhaben gaben im Jahr 2015 den Anlass zu neuen Forschungskampagnen. Bereits die ersten Spatenstiche der Grabung 2015 zeigten, dass sich der Aufwand einer neuen Forschungsinitiative lohnen würde. Bei einer der Bestattungen wurde ein besonderes Fundstück freigelegt, ein silberner Ring mit einer römischen Gemme, ein wertvolles Artefakt des 7. Jahrhunderts. Die Untersuchungen wurden seit Beginn in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Landesarchäologie Mainz koordiniert, die die Grabungsverantwortung in Ingelheim an die Forschungsstelle Kaiserpfalz weiter gegeben hat. 

Durch die Unterstützung des Unternehmens Boehringer Ingelheim, in dessen Besitz sich ein Großteil der archäologischen Untersuchungsfläche befindet, können die Forschungen nun in 2017 fortgesetzt werden. Die neue Kampagne ist Anfang Juni gestartet, mit der Freilegung der ersten Grabgruben wird nach der geophysikalischen Prospektion begonnen. Rechtzeitig vor dem offiziellen Grabungsanfang wurden alle Anwohner der benachbarten Anwesen bei einem Gesprächstermin über den Verlauf und zeitlichen Rahmen informiert. Sie wurden außerdem um Mitwirkung gebeten, um Unbefugte, die sich außerhalb der Arbeitszeiten des Grabungsteams auf den Flächen befinden, der Polizei zu melden. Damit soll der Problematik von Raubgräbern und Sondengängern vorbeugend begegnet werden.

Die Arbeiten im Bereich zwischen der Rotwein-, Stevenage- und Kreuzbergstraße führt die Forschungsstelle in den nächsten Monaten durch. In den folgenden zwei Jahren werden die Untersuchungen nach Norden fortgesetzt. Danach folgt die Auswertungsphase, die in einer Publikation zu diesem Fundort mündet.