70 Jahre Eheglück im Hause Weitzel

Bild: Oberbürgermeister Ralf Claus gratulierte gemeinsam mit Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm dem Jubelpaar Weitzel zur Gandenhochzeit. Foto: Stadtverwaltung/dtg

Schon der festlich geschmückte Hof ließ erahnen: Hier wird gefeiert. Eine große „70“ prangert über dem Eingang, aus dem Wohnzimmer dringen Stimmen. Ein rüstiges Ehepaar öffnet dem Oberbürgermeister Ralf Claus, der zum Gratulieren kam, die Tür, man mag kaum glauben, dass dieses Paar gerade den 70. Hochzeitstag feiert. Wilhelmine und Georg Weitzel lernten sich kurz nach dem Krieg im Jahre 1945 bei einer Tanzstunde in Ingelheim kennen. Sie kam aus Ober-Ingelheim und er aus Nieder-Ingelheim. „Damals eine gefährliche Liebe“, lächelt Georg Weitzel, denn zur damaligen Zeit gab es Straßensperren im Stadtgebiet zwischen den beiden Stadtteilen. Trotzdem nahm er oft den Weg in Kauf um seine Wilhelmine zu sehen. Zwei Jahre später, am 25. Oktober 1947, läuteten die Hochzeitglocken und sie zogen nach Nieder-Ingelheim. Sie bekamen einen Sohn und arbeiteten beide beim Automobilhersteller Opel in Rüsselheim. Darüber hinaus standen sie oft auf dem Spargelfeld. „Unser Leben war geprägt von Arbeit, wir wollten ja unser Haus fertigstellen“, verriet Wilhelmine Weitzel. Ihren Ausgleich fanden beide beim Wandern. Zahlreiche Pokale zieren das Wohnzimmer des Ehepaares. Oberbürgermeister Ralf Claus hinterfragte, wie es beide geschafft haben, mit mittlerweile 90 Jahren so fit zu sein. Schmunzelt gaben sie zu: „Immer in Bewegung zu sein, trägt dazu bei, so fit zu sein!“ Mittlerweile gehören neben dem Sohn zwei Enkel- und drei Urenkelkinder zur Familie. Zum Schluss staunte Ralf Claus nicht schlecht, als ihm der Jubilar eröffnete, wer denn sein Vater gewesen sei. Denn: Sein Vater war Ludwig Weitzel, der das Ingelheim Lied gedichtet hatte. Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm, die auch ihre Glückwünsche persönlich überbrachte, guckte fragend in die Runde, denn sie kannte das Lied nicht. Auf die Frage nach einer Kostprobe schüttelte der Oberbürgermeister lachend den Kopf. „Mein stimmliches Talent möchte ich den Gästen dann doch nicht antun“, scherzt er.