Naturschutz

Planungen, Bauvorhaben und Nutzungen des Menschen wirken in vielfältiger Weise auf unsere natürliche Umwelt ein. Das dadurch Lebensräume von Pflanzen und Tieren beeinträchtigt oder gar völlig zerstört werden, ist täglich wahrzunehmen. Aber ohne das Wirken des Menschen gäbe es auch nicht die uns bekannte Naturlandschaft in Rheinhessen: Ein kleinparzelliertes Mosaik aus Obst, Acker, Brachen, Gehölzen und Wein. Eine ideale Voraussetzung für viele seltene und besonders geschützte Arten.

In der Ingelheimer Gemarkung sind einige Tierarten so besonders, dass sie internationalem Schutz unterliegen und als „Verantwortungsarten“ für Rheinland-Pfalz deklariert wurden. Dazu gehört vor allem der Wiedehopf, der alljährliche Gast aus dem Süden, der hier Halt macht und seine Nachkommen aufzieht.

Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist sowohl im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als auch in der Verfassung für Rheinland-Pfalz verankert. Es ist also eine Verpflichtung aller, die Vorgaben und Anforderungen aus den entsprechenden Umweltschutzgesetzen und hier im Besonderen die Naturschutzgesetze einzuhalten. Die Ausführung und Überwachung liegt bei der Naturschutzbehörde. Für Ingelheim ist die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Mainz-Bingen verantwortlich.

Ziel des Naturschutzes und der Landschaftspflege

ist es, die Natur und Landschaft auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen in besiedelten und unbesiedelten Bereichen so zu schützen, dass

1.) die biologische Vielfalt,
2.) die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie
3.) die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft

auf Dauer gesichert sind.

Naturschutzmaßnahmen der Stadt Ingelheim

Darüber hinaus nimmt die Stadt Ingelheim am Rhein eigene Aufgaben wahr, die unmittelbar das Natur- und Artenschutzrecht berühren. Im Rahmen der Bauleitplanung müssen die Belange des Natur- und Artenschutzes berücksichtigt und geeignete Maßnahmen zur Verminderung von Umweltschäden durchgeführt werden. Das geht nicht immer an Ort und Stelle. Deshalb hat die Stadt Ingelheim ein sogenanntes Ökokonto eingerichtet.

Auch für den Artenschutz führt die Stadt Ingelheim an vielen Stellen im Stadtgebiet spezielle Pflegemaßnahmen in der Natur durch.

Zurzeit wird im Polder eine der größten zusammenhängenden Fläche der Stadt nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten umgewandelt: Was früher Ackerland war, wird Zug um Zug der Natur zurückgegeben.
Damit solche Projekte aber nicht isoliert in der Landschaft liegen, ist es gut, wenn mit geeigneten Maßnahmen Vernetzungen hergestellt werden.

Blühwiesen für mehr Biodiversität

Foto: Stadt Ingelheim

Unsere Naturlandschaft hat in den letzten 10.000 Jahren, seit der letzten Eiszeit, viele Veränderungen durchgemacht. Die Menschen wurden sesshaft und haben die Landschaft stark an ihre Nutzungsansprüche angepasst. Besonders durch die Sesshaftwerdung und der damit einhergehenden Versorgung, wurde die ehemalige Natur - zu einer Kulturlandschaft. Die damalige, sehr raubbauerische Bewirtschaftung war für die Tier- und Pflanzenwelt jedoch nicht nur von Nachteil. Die vielfältige Nutzung auf relativ engem Raum schuf viele ökologische Nischen und die Artenvielfalt erlebte dadurch ihren Höhepunkt. Felder, Tümpel, Bäche, Weiden, Obstbäume, Hecken, Lesesteinhaufen und viele weitere Landschaftselemente prägten vielerorts die Landschaft. Viele Relikte wie Trockenmauern und Hohlwege sind auch in Ingelheim noch teilweise gut erhalten und in der Gemarkung zu finden.

Ab dem 19. Jahrhundert jedoch wurden diese kleinparzelligen Bewirtschaftungsformen immer seltener und die Industrialisierung hielt mit großen Schritten Einzug. Die Flächen wurden größer. Um mehr Nahrung auf derselben Fläche anzubauen, wurden Strukturen wie Bäche, Tümpel, Gehölze und Trockenmauern entfernt. Der Einsatz von verschiedenen Herbiziden erschwerte der vorkommenden Flora und Fauna zusätzlich das Leben.

Dieser Zustand hat sich bis heute kaum verändert, im Gegenteil. Die Bebauung von Flächen sowie die Intensivierung der Landwirtschaft haben die Artenvielfalt auf einen dramatisch geringen Bestand fallen lassen. Häufig werden Flächen zu intensiv gepflegt, in der Natur beispielsweise kommt kein offener Boden vor. In unserer Kulturlandschaft jedoch werden Flächen und Gärten gerne „winterfest“ gemacht und bieten daher keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für Tiere.

Die Stadtverwaltung Ingelheim hat sich daher entschlossen, aktiv Maßnahmen gegen den Verlust der Biodiversität und unserer Lebensgrundlage zu ergreifen. Ein kleiner Beitrag ist die Ausbringung einer Blühmischung, die für eine Vielzahl von Tieren als Lebensgrundlage dienen kann. Käfer, Bienen, Schmetterlinge, Nachtfalter und Spinnentiere finden hier nicht nur Nahrung und eine sichere Fläche zum Überwintern, sondern diese Insekten sind auch die Nahrungsgrundlage für verschiedene Vögel und Säugetiere.

Nach und nach werden mehr Flächen mit einer regionalen Saatgutmischung eingesät (z.B.: Straßenbegleitgrün an der Griesmühle oder Kreisel Großwinternheim) oder die natürlich vorkommenden Kräuter durch angepasste Pflege gefördert (z.B. Straßenbegleitgrün Binger Straße und Carolinenhöhe, das in Kooperation mit dem Nabu entwickelt wird).

Insgesamt konnten seit 2019 so bereits ca. 14.300 m² Blühflächen entstehen. Diese Flächen werden meist mit maximal einem Schnitt im Jahr gepflegt.

Die verwendete Blühmischung: Schmetterlings-/Wildbienensaum, Rieger-Hofmann GmbH, Regiosaatgut Region 9.

Naturschutz in der geschlossen Bebauung

Auch in der geschlossenen Bebauung kann Naturschutz funktionieren. Jeder kann in seinem Garten dazu beitragen. Wie man einen naturnahen Garten gestalten kann, zeigen viele Broschüren der Naturschutzverbände.

Bäume tragen in der Stadt ganz wesentlich zu einem angenehmen Kleinklima bei, bieten Schatten gestalten die Plätze, Wege und Straßen und sind Identifikationsstiftend. Weil alte Bäume in Ingelheim nicht sehr häufig vorkommen, ist eine Baumschutzsatzung wichtig. Jeder Baum der mehr als 80 cm Stammumfang hat ist geschützt. Das gilt aber nicht für die privaten Bäume.


Neue Beweidungskonzepte für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung

In den vergangenen 150 Jahren hat der Mensch die mitteleuropäische Kulturlandschaft durch Nutzungsintensivierungen gravierend verändert. Die ehemals im Offenland praktizierte Beweidung wurde zum größten Teil aufgegeben. Diese Nutzungsänderungen führten zum Verschwinden vieler bis dahin prägender Landschaftsstrukturen. Zu den Biotoptypen, die einer besonders starken Veränderung unterworfen waren, zählen (halb)offene Trockenstandorte. Durch Nutzungsaufgabe, Aufforstung oder Nutzungsintensivierung verschwanden die meisten dieser einst prägenden Landschaftsräume. Heute sind sie nur noch kleinflächig und meist isoliert erhalten.

Der Naturschutz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark für den Erhalt dieser Flächen eingesetzt. Beweidung und Mahd sind die am häufigsten angewandten Methoden der Offenhaltung. Gerade bei der Beweidung existieren bis heute jedoch erhebliche Unklarheiten, wann und auf welche Weise diese auf Trockenstandorten durchgeführt werden sollte und wie sie zu anderen naturschutzfachlichen Zielsetzungen steht.

Im Rahmen einer Online-Tagung wurde herausgearbeitet, welche Herausforderungen bei der Beweidung offener Trockenstandorte auf Sand und Kalk bestehen und welche Beweidungsregime besonders für die Offenhaltung geeignet sind. Die Tagung fand als Kooperationsveranstaltung der Stadt Ingelheim und dem Kompetenzzentrum der Hochschule Geisenheim statt.

„Für Ingelheim hat die Frage nach Beweidungskonzepten auf offenen Trockenstandorten eine hohe Bedeutung. Ingelheim befindet sich inmitten des Kalkflugsandgebietes Mainz-Ingelheim und ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Ich freue mich daher sehr auf die Tagung mit vielfältigen Fachbeiträgen und auf einen Austausch im Rahmen der Podiumsdiskussion“, so die Beigeordnete und Umweltdezernentin der Stadt Ingelheim Dr. Christiane Döll.

Ansprechperson

Jannette Goldmann

  • Abteilung:
    Abteilung für Umweltschutz, Grünordnung und Landwirtschaft
  • Umwelt- und Grünflächenamt

    Telefon: +49 6132 782 193
    E-Mail: jannette.goldmann(at)ingelheim.de