Ehrenamtliche Schöffen gesucht

Ehrenamtliche Schöffen gesucht

Für die Amtszeit von 2019 bis 2023 werden wieder ehrenamtliche Schöffen gesucht. Das können Ingelheimer Bürgerinnen und Bürger sein, die als Schöffen am Amtsgericht Bingen und beim Landgericht Mainz als „Vertreter des Volkes“ an der Rechtsprechung in Strafverfahren teilnehmen. Über die Aufstellung der Vorschlagsliste entscheidet der Ingelheimer Stadtrat spätestens in der Sitzung im Juni 2018. Es müssen doppelt so viele Kandidaten, wie Schöffen benötigt werden, dem beim Amtsgericht gebildeten Schöffenwahlausschuss vorgeschlagen werden. Dieser wählt dann in der zweiten Jahreshälfte 2018 aus diesen Vorschlägen die Haupt- und Hilfsschöffen.
Gesucht werden Bewerberinnen und Bewerber, die zum Zeitpunkt des Beschlusses vom Stadtrat (spätestens Juni 2018) in der Stadt Ingelheim am Rhein wohnen und am 1. Januar 2019 mindestens 25 und höchstens 69 Jahre alt sein werden. Wählbar sind deutsche Staatsangehörige, die die deutsche Sprache ausreichend beherrschen und ein solches Ehrenamt ausüben dürfen. Nicht gewählt werden dürfen Personen, die hauptamtlich in der oder für die Justiz tätig sind. Das betrifft unter anderem Richter, Rechtsanwälte, Polizeivollzugsbeamte, Bewährungshelfer und Strafvollzugsbedienstete. Auch Religionsdiener können nicht zu Schöffen gewählt werden.
Schöffen sollten über soziale Kompetenz verfügen. Sie sollen das Handeln eines Menschen in seinem sozialen Umfeld beurteilen können. Erwartet werden Lebenserfahrung und Menschenkenntnis. Die mitgebrachte Lebenserfahrung kann aus beruflicher Erfahrung oder gesellschaftlichem Engagement resultieren. Dabei steht nicht der berufliche Erfolg im Mittelpunkt, sondern die Erfahrung, die im Umgang mit Menschen erworben wurde. Die ehrenamtlichen Richter müssen Beweise würdigen. Das heißt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein bestimmtes Geschehen, wie in der Anklage behauptet, ereignet hat oder nicht, aus den vorgelegten Zeugenaussagen, Gutachten und Urkunden ableiten lassen kann.

Das verantwortungsvolle Amt eines Schöffen verlangt in hohem Maße Unparteilichkeit, Selbständigkeit und Reife des Urteils, aber auch geistige Beweglichkeit und - wegen des teilweise anstrengenden Sitzungsdienstes - gesundheitliche Eignung. Juristische Kenntnisse sind für das Amt nicht erforderlich.
Schöffen müssen ihre Funktion im Strafverfahren kennen, über Rechte und Pflichten informiert sein und sich über die Ursachen von Kriminalität und den Sinn und Zweck von Strafe Gedanken gemacht haben. Sie müssen bereit sein, Zeit zu investieren, um sich über ihre Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten weiterzubilden. Wer zum Richten über Menschen berufen ist, braucht Verantwortungsbewusstsein für den Eingriff in das Leben anderer Menschen durch das Urteil.

Objektivität und Unvoreingenommenheit müssen auch in schwierigen Situationen gewahrt werden. So zum Beispiel, wenn der Angeklagte, aufgrund seines Verhaltens oder wegen der vorgeworfenen Tat, zutiefst unsympathisch ist oder die öffentliche Meinung bereits eine Vorverurteilung ausgesprochen hat.
Schöffen sind mit den Berufsrichtern gleichberechtigt. Für jede Verurteilung und jedes Strafmaß ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Das heißt gegen beide Schöffen kann niemand verurteilt werden. Jedes Urteil - gleichgültig ob Verurteilung oder Freispruch - haben die Schöffen daher mit zu verantworten. Wer die persönliche Verantwortung für eine mehrjährige Freiheitsstraße, für die Versagung einer Bewährung oder für einen Freispruch wegen mangelnder Beweislage nicht übernehmen kann oder will, sollte das Schöffenamt nicht anstreben.
In der Beratung mit den Berufsrichtern müssen Schöffen ihren Urteilsvorschlag vertreten können, ohne besserwisserisch zu sein und sich von besseren Argumenten überzeugen lassen, ohne opportunistisch zu sein. Ihnen steht in der Hauptverhandlung das Fragerecht zu. Sie müssen sich verständlich ausdrücken, auf den/die Angeklagten wie andere Prozessbeteiligte eingehen können und an der Argumentation teilnehmen. Ihnen wird daher Kommunikations- und Dialogfähigkeit abverlangt.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Ingelheim können sich für das Schöffenamt im allgemeinen Strafsachen gegen Erwachsene (für die Vorschlagsliste der Jugendschöffen ist die Kreisverwaltung Mainz-Bingen zuständig) bis Ende April 2018 bei der Stadtverwaltung Ingelheim am Rhein, Rechtsamt, Rathaus, Neuer Markt 1, bewerben. Informationen gibt es telefonisch unter 06132 782 151. Das erforderliche Bewerbungsformular kann entweder beim Rechtsamt der Stadtverwaltung oder per E-Mail unter dieter.roos(at)ingelheim.de angefordert werden. Darüber kann es auf der Internetseite der Stadt unter www.ingelheim.de oder von der Internetseite der Deutschen Vereinigung für Schöffinnen und Schöffen unter www.schoeffenwahl.de heruntergeladen werden.

Bewerbungsformular