Ausstellungseröffnung „Bewegte Zeiten“ in Berlin mit Ingelheimer Exponaten

Irene Hilgert und Dr. Barbara Gärtner informieren sich in der Ausstellung. Fotos: Stadt(dg)

Die Ingelheimer Exponate in der Berliner Ausstellung.

"Meine Damen und Herren, der Bundespräsident." Wenn sich die Archäologen geschlossen erheben, dann hat es einen Grund, am gestrigen Donnerstag einen bemerkenswerten Grund: die Eröffnung der Ausstellung "Bewegte Zeiten" in Berlin. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, bezeichnete die Ausstellung in seiner Begrüßungsrede als "Flaggschiffprojekt" des Europäischen Kulturerbjahres 2018. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hob hervor, dass die über 1000 Ausstellungsobjekte zum Sprechen gebracht wurden, indem man sie in einen überregionalen Kontext gestellt hat, aus lokaler über die regionale und nationale Ebene hin zur europäischen Dimension. Noch heute könnten die aus der Kooperation zwischen Archäologie und Naturwissenschaft resultierenden Erkenntnisse, nach Kant,  etwas über die drängenden Fragen der Menschheit aussagen, vor allem zu jener dringlichsten: Was ist der Mensch?
Gastgeber und Initiator der Ausstellung, Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin, stellte eingangs die Verbindung zwischen der begleitenden Performance des Staatsballetts Berlin zum Hauptthema Bewegung und Austausch der Ausstellung her. Man habe zunächst einmal das Chronologiegerüst zur Seite gelegt, sagte Wemhoff. Durch medial eingeblendete aktuelle Bezüge werde verständlich, dass Menschen im Grunde immer von denselben Dingen angetrieben wurden. So könne man am Beispiel von Köln um das Jahr 90 nach Christus sehen, das damals schon innovative Ideen zur Entwicklung von komplexen technischen Hilfsmitteln führten, die überraschend modern anmuten.

Zum Themenkreis Innovation zählt in der Berliner Ausstellung auch das Modell der Kaiserpfalz Ingelheim, das die Wanderung von Ideen augenfällig macht. Im Vergleich mit den Pfalzen von Paderborn, Frankfurt und Aachen sieht sich der Betrachter hier einem geschlossenen Baukomplex gegenüber, dessen architektonische Verwandtschaft mit Bauten des Römerreiches nicht zu übersehen ist. Daneben zeigen die Ingelheimer Fundstücke, die Goldmünze aus Arles, die angelsächsisch beeinflusste Riemenzunge sowie das syrisch-langobardisch inspirierte Flügelpferdrelief die Wanderung von Ideen.
Die drei Hauptarten von Bewegung, so Wemhoff, nämlich von Menschen, von Dingen, und von Ideen, bilden das Grundgerüst des Ausstellungskonzeptes. Übergeordnet sind die Kapitel Mobilität, Austausch, Konflikt und Innovation. Menschen seien stets gereist, sei es, um Handel zu treiben, Kriege zu führen oder aus persönlichen Konstellationen heraus. "Migration ist nicht die Mutter aller Probleme, sondern die Mutter aller Entwicklungen", so Matthias Wemhoff.