Bei dubiosen Anrufen einfach auflegen – Kriminalpräventiver Arbeitskreis warnt vor Trickbetrügereien am Telefon

Über Telefonbetrug liest man nicht nur in der Zeitung oder im Internet, jeden kann es schon morgen selbst treffen, auch in Ingelheim. Hier kamen seit Februar bis Mitte April dieses Jahres sechs Fälle des Enkeltricks zur Anzeige, allein am letzten Wochenende meldeten sich drei Anrufer bei der Polizei und berichteten von einem ersten Kontakt mit dieser Masche, um die sie allerdings wussten und deshalb sofort aufgelegt hätten.    Wer also die Tricks der Täter kennt und bei Beachtung einfacher Vorsichtsregeln besonnen handelt, kann sich vor der Gefahr eines Telefonbetrugs wirksam schützen. Wie die Täter dennoch so manches Mal ihr Ziel erreichen, zeigt ein Fall von Mitte März.

 

„War mir absolut sicher“

Das Telefon klingelt, am anderen Ende der Enkel, so dachte zumindest Heideline W. (Name geändert), denn die Stimme hörte sich irgendwie vertraut an, auch wenn der Kontakt zu dem Jungen nicht allzu häufig ist. Doch da sich der Anrufer mit dem Vornamen des echten Enkels meldete und auch ansonsten über die familiäre Situation informiert schien, war sich die ältere Dame absolut sicher, mit dem Sohn ihrer Tochter zu sprechen. Sofort kam dann auch sinngemäß „Oma, du musst mir helfen, ich habe Mist gebaut“. Die Story, die sich dann über das Opfer ergießt, ist nur ein Beispiel für die perfide Vorgehensweise skrupelloser Täter. Sie versetzen ihre Opfer in Angst und Schrecken und appellieren zugleich an spontane Hilfsbereitschaft in einer raffiniert inszenierten Notlage. In diesem Fall ging es um einen vermeintlichen Autounfall, den der 16-jährige Enkel mit dem Wagen seines Kumpels verursacht habe. Der Versicherung könne man den Schaden ja wohl kaum melden, die Eltern des Freundes seien in Urlaub und bis zu deren Rückkehr müsse das Auto unbedingt repariert sein, weil es ansonsten zu riesengroßen Problemen für alle komme. Das Auto sei bereits in der Werkstatt und jetzt müssten sehr zeitnah die Kosten für die Reparatur aufgebracht werden. Und die eigenen Eltern würden ausflippen, wenn sie davon erfahren würden.

Ständige Anrufe erzeugen Druck

 

Für Heideline W. ist klar: Sie muss ihrem Enkel sofort helfen. Nachdem die Täter den ganzen Nachmittag immer wieder anrufen und dadurch enormen Druck aufbauen, besorgt sie Geld aus dem Automaten, da der Schalterbetrieb der Bank am Mittwochnachmittag geschlossen war. Dann wieder ein Anruf: Die Summe reiche nicht, doch die Werkstatt sei bereit, bis morgen zu warten, doch dann müsse das Geld da sein.  Am Tag darauf der nächste Anruf: Sie solle jetzt zur Bank gehen und die restliche Summe holen. Sofort macht sich Heideline W. auf den Weg, nicht ohne vorher eine weitere Anweisung des Anrufers zu befolgen. Die ganze Zeit über dürfe das Telefon nicht aufgelegt sein, damit „nichts dazwischenkommt.“ Damit sichern sich die Täter ab und haben die ständige Kontrolle über das Geschehen. Als das mittlerweile völlig verunsicherte Opfer, nach Wiederankunft zuhause, nach dem Hörer greift und fragt, wie es nun weitergehe, ob jemand vorbeikomme, das Geld abzuholen, wird ihr gesagt, der Kurier der Werkstatt sei schon da. Er warte vor dem Haus, sie solle das Geld in einen Umschlag legen und ihm übergeben. Sie werde wieder angerufen, wenn alles geregelt sei. Darauf wartete Heidelinde W. allerdings vergeblich.  Als sie dann am Abend ihre Tochter anrief und ihr alles schilderte, war es zu spät. Die Täter hatten die alte Dame um einen fünfstelligen Betrag gebracht. Ermittlungen der Polizei führten bis heute zu keinem Ergebnis, in Fällen von Telefonbetrug leider die Regel.

 

Gesundes Misstrauen ist eine Stärke

Die als Enkeltrick bekannt gewordene Masche kennt inzwischen viele Varianten. Die Tricks von skrupellosen Betrügern sind vielfältig, ihre Fantasie kennt kaum Grenzen. Die Täter rufen gezielt ältere MitbürgerInnen an und geben sich als naher Verwandter, als Amtsperson, z. B. als Polizeibeamter, als Anwalt, Notar oder Microsoft-Mitarbeiter aus. Einmal ist es die vorgetäuschte finanzielle Notlage, ein anders Mal die Warnung vor einer Einbruchsserie im Viertel oder der angebliche Preisausschreiben-Gewinn. Jede dieser Lügen hat nur das Ziel, das Gegenüber am Ende der Leitung zu verunsichern, unter Druck zu setzen und dazu zu bringen, Geld und Wertgegenstände an eine „Vertrauensperson, die gleich vorbeikommt“ zu übergeben. 

 

Konsequentes Handeln hilft vorbeugen

Generell gilt: sofort auflegen, wenn einem der Anruf „spanisch“ vorkommt, auf keinen Fall in ein Gespräch verwickeln lassen. Bei Aussagen wie „Rate mal, wer dran ist“ oder „Gratulation zum Hauptgewinn“ sollten sämtliche Alarmglocken läuten, auch wenn es um vermeintliche Computerprobleme geht. Dass ein naher Verwandter nach einem Autounfall im Ausland schwer verletzt im Krankenhaus liegt und dringend Geld braucht, ist ebenso unwahrscheinlich wie die Ankündigung einer großen Erbschaft, die aber nur durch eine sofortige Geldüberweisung zustande kommt. Wer auf diese Weise telefonisch oder in anderer Form kontaktiert wird, sollte sich bei der Familie, Verwandten oder auch Institutionen und Firmen rückversichern, ob es hier mit rechten Dingen zugeht. Immer wieder geben sich Straftäter auch als Polizisten aus und versuchen, ihre Opfer zu verängstigen oder einzuschüchtern. Dazu behaupten die Betrüger beispielsweise, dass Geld- und Wertgegenstände zuhause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien oder auf Spuren untersucht werden müssten. Oft nutzen die Täter eine spezielle Technik, die bei einem Anruf auf der Telefonanzeige der Angerufenen die Polizei-Notrufnummer 110 erscheinen lässt. Wichtig zu wissen: Die Polizei ruft niemals unter der Nummer 110 an, verlangt am Telefon auch keine Auskunft über persönliche Daten und holt niemals Geld und Wertsachen zur Aufbewahrung ab.

 

Datenklau via Telefonanruf

Ein weiterer gemeiner Trick ist das Ausnutzen von Unsicherheiten im Umgang mit Computern. Falsche Experten warnen per Telefon vor angeblichen Problemen und möchten Viren und Trojaner per Fernwartung entfernen und fordern dazu auf, etwas auf dem Rechner zu installieren. So erschleichen sie sich Zugang zum Gerät. Sind sie erfolgreich, kommen sie nach dem meist unbemerkten Aufspielen von Schadsoftware an Daten ihrer ahnungslosen Opfer und können beispielsweise Bestellungen manipulieren oder Passwörter für das Online-Banking erspähen.

Vorbeugung ist der beste Opferschutz

Durch Beachtung einfacher Vorsichtsregeln kann sich jeder vor der Gefahr eines Telefonbetrugs wirksam schützen und den Ganoven einen dicken Strich durch ihre perfide Rechnung machen.  So ist auch hilfreich, einen veraltet klingenden Vornamen im Telefonbucheintrag mit dem Anfangsbuchstaben abzukürzen. Der Sprecher des Kriminalpräventiven Arbeitskreises, Helmut K. Rüster, appelliert an die Bevölkerung, innerhalb der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis sowie mit Nachbarn über das Thema Betrug am Telefon zu sprechen, um so Generationen übergreifend eine stete Aufmerksamkeit gegenüber diesem perfiden kriminellen Handeln zu erzeugen. Nicht die Angst vor kriminellen Gefahren und davor, selbst zum Opfer zu werden, sollte die Menschen in ihrem Alltag begleiten, sondern das Vertrauen in die eigene Stärke, durch bewusstes Handeln Straftätern einen Strich durch die Rechnung zu machen.

 

Bei Rückfragen und für weitere Informationen steht Helmut K. Rüster vom Krimininalpräventiven Arbeitskreis der Stadt Ingelheim telefonisch unter 06132 43 44 38 oder 01577 13 61 104 sowie per E-Mail an helruester(at)web.de zur Verfügung.