Feierstunde zu Multatulis 200. Geburtstag Bericht

Foto: Stadtverwaltung/fl


Am Donnerstag, 4. März, fand im Ingelheimer Rathaus eine Feierstunde zu Ehren des 200. Geburtstages von Multatuli statt. Der Niederländer, welcher mit bürgerlichem Namen Eduard Douwes Dekker hieß, gilt als einer der Wegbereiter der Fairtrade-Idee und wohnte während der letzten Jahre seines Lebens in einem Haus in Nieder-Ingelheim.

Oberbürgermeister Ralf Claus begrüßte die rund 70 Gäste im Ratssaal und wies sogleich auf die Bedeutung Multatulis für die Bewegung des Fairen Handels hin: „Das Fairtrade-Logo, das wir zum Beispiel von fair gehandelten Bananen oder Kaffee kennen, geht auf seinen Entwurf zurück.“ Dr. Florian Pfeil, Geschäftsführer des Weiterbildungszentrums (WBZ), machte sich in seinem anschließenden Vortrag daran, den Werdegang des Niederländers nachzuzeichnen und seine Verbindung zum Fairen Handel zu veranschaulichen. „Multatuli lebte zu Zeiten des Kolonialismus. Wir erleben ein durchaus ähnliches Phänomen, nämlich den Postkolonialismus“, betonte Dr. Pfeil die Ähnlichkeiten des globalen Handels zwischen dem 19. Jahrhundert und heute. Multatuli habe als niederländischer Kolonialbeamter in Indonesien die Ungerechtigkeiten erlebt, mit der – in diesem Falle die niederländische – Kolonialmacht die einheimischen Ressourcen und Menschen ausbeutete. Nach vielen vergeblichen Versuchen, durch öffentliche Kritik am System seine Landsleute aufzurütteln, habe Multatuli 1860 schließlich seinen Roman „Max Havelaar“ geschrieben, bis heute Pflichtlektüre an niederländischen Schulen. In Deutschland leider in Vergessenheit geraten, transportiert der Roman laut Dr. Pfeil vor allem eine zutiefst politische Abrechnung mit dem Kolonialismus: „Am Ende des Buches schreibt Multatuli explizit, dass er den Roman nur verfasst hat, um seiner Kritik endlich Gehör zu verschaffen.“

Dr. Pfeil veranschaulichte dann, wie die Fairtrade-Bewegung heutzutage versucht, der postkolonialen Ausbeutung in Ländern des globalen Südens entgegenzuwirken. Existenzsichernde Löhne und langfristige Kooperationen seien effektive, wenngleich oft mühsame Wege für mehr Gerechtigkeit im Welthandel. Die „Fairtrade-Stadt“ Ingelheim gehe hier mit gutem Beispiel voran. „Seit 2015 trägt die Stadt diesen Titel und versucht ständig, den Fairtrade-Gedanken weiter zu fördern. Bald wird es mit der Präsident-Mohr-Schule die vierte Fairtrade-Schule in Ingelheim geben, das ist eine beeindruckende Quote“, so Dr. Pfeil zu den Bemühungen der Stadt.

Oberbürgermeister Claus dankte dem Vortragenden am Ende und lud noch zum geselligen Ausklang der Feierstunde ein. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten Nia Gupte (7 Jahre) am Flügel sowie Lorenz Niemann (17) an der Bratsche, die beeindruckende Kostproben ihres Könnens zeigten.