Gedenkfeier Reichspogromnacht

Hans-Georg Meyer. Fotos Stadt/bs

Duo Kocurek

Jugendliche des Sebastian-Münster-Gymnasiums

Pfarrer Peter Fleckenstein.

Bereits 80 Jahre ist es her, dass in ganz Deutschland Synagogen gebrannt hatten und noch immer wird die Erinnerung ganz bewusst wachgehalten. Alljährlich gedenken viele Bürger am Synagogenplatz in Ober-Ingelheim am 9. November der Reichspogromnacht in einer kleinen Feierstunde, in diesem Jahr waren besonders viele Ingelheimer anwesend.

In einer eindrucksvollen Rede mahnte der Ehrenvorsitzende des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF) Hans-Georg Meyer zum einen vor der Floskel „Nie wieder“, die nicht bezeichnen soll, das Vergangene wie dass es am Strandbad nie mehr wie 1933 ein Schild geben solle mit der Aufschrift „Judenbesuch nicht erwünscht, Christenmädels gehen nicht mit Juden“ zu betrauern, sondern dass keiner warten und zusehen solle, heute und morgen die Dinge beim Namen zu nennen und antisemitischen Übergriffen entgegenzutreten.

Zum anderen fragt er, wie man aus der achselzuckenden „Da kann man nichts machen“ Mentalität herauskäme. Neue rechte Strömungen von „Alt- und Neu-Gestrigen“ sollten nicht in die Lage versetzt werden, ihren Hass gegen Minderheiten wieder schüren zu können.

Oberbürgermeister Ralf Claus widmete sich in diesem Jahr den Problemen der Menschenrechte, der Toleranz und dem Verständnis füreinander. Es scheine ihm immer schwieriger zu werden, diese gesellschaftlichen Themen einzufangen. 

Annika, Helena und Lena-Sophie vom Sebastian-Münster-Gymnasium hatten sich nach einer genauen Beschäftigung mit Ingelheims jüngster Jüdin Renate Wertheim eigene Gedanken zu einem neuen Miteinander im Kleinen, in der Hausgemeinschaft und der Nachbarschaft gemacht.

Auch Pfarrer Peter Fleckenstein von der evangelischen Versöhnungskirche rief dazu auf, wieder Worte zu formulieren und nicht in Sprachlosigkeit zu verharren. Und Klaus Dürsch vom DIF forderte mehr Aufmerksamkeit gegenüber Minderheiten an.

Die Gedenkstunde wurde musikalisch mit Cello und Akkordeon vom Duo Kocurek vom Weiterbildungszentrum begleitet.