Höfische Pracht – Ingelheim stellt bald ein Glanzstück mittelalterlicher Goldschmiedekunst aus

Bild: GDKE, Landesmuseum Mainz Foto: Ursula Rudischer


Die große goldene Adlerfibel wird in Ingelheim in der Sonderausstellung „Der charismatische Ort. Stationen der reisenden Könige im Mittelalter“ vom 20. August bis 20. November zu sehen sein. Zusammen mit 24 weiteren Schmuckobjekten des 11. Jahrhunderts war sie Teil eines Schatzes aus Fibeln, Ohrringen, Fingerringen sowie einem Juwelenkragen und Brustbehang, die reich mit Edelsteinen, Perlen und Emails verziert sind.

Da bereits der Fundhergang während Kanalarbeiten in Mainz 1880 nicht gesichert ist, ranken sich neben wissenschaftlichen Deutungen auch Verschwörungstheorien um diesen Fund. Insbesondere die Frage, ob es sich um einen einzigen Schatzfund oder um zwei Teile handelt, kann nicht sicher rekonstruiert werden. Gleichwohl bleibt die große Anziehungskraft dieser eindrucksvollen Objekte auch 100 Jahre nach ihrer Entdeckung davon unberührt.

Diese Schmuckgarnitur für eine Frau wurde in der Forschungstradition Kaiserin Gisela zugeschrieben, wobei die jüngere Forschung sie mit Kaiserin Agnes von Poitou verbindet, die im Jahr 1043 in Ingelheim mit König Heinrich III. vermählt wurde und im gleichen Jahr im Mainz zur Königin gekrönt wurde. Sowohl die wertvollen Materialien als auch die verwendeten Formen und Motive lassen die Bestimmung der Schmuckstücke für offizielle Anlässe erkennen: sie gehören vermutlich zum Krönungsornat der Königin und Kaiserin (1046 in Rom gekrönt).

Stilistisch ist die Adlerfibel gut mit der Reichskrone vergleichbar. Sie wird daher in der Ausstellung im Kontext der Reichsinsignien zu sehen sein.

Der Besitz der Reichskleinodien dokumentierte in der mittelalterlichen Vorstellung die Rechtmäßigkeit der Herrschaft ihres Trägers. Daher sind sie besonders kostbar mit antiken Gemmen, Edelsteinen und prachtvollen Goldschmiedearbeiten verziert.

Insbesondere die Ottonen und Salier nutzen die Versammlungen, Hoftage, Reichstage und Synoden zur Inszenierung ihrer Herrschaft. Diesem Thema wird in der Sonderausstellung ein ganzer Saal gewidmet, der unter dem Leitthema des Versammlungswesens steht. Bei Versammlungen traten der König, der Hof und die Großen des Reiches zusammen und stellten einen Konsens in politischen, rechtlichen und militärischen Fragen her. Dort formierte sich ein Charisma, das in der Repräsentation, im elitären Zeremoniell, in Ritualen und der Demonstration politischer Macht seinen Ausdruck fand. Von dieser königlichen Aura wird die Sonderausstellung dank hochkarätiger Exponate wie der vorgestellten Adlerfibel, Repliken der Reichsinsignien und kostbarer Gastgeschenke aus Byzanz erzählen.