Rekonstruktion frühmittelalterlicher Lebenswelten: Grabfunde in der Rotweinstraße


Grabungsmitarbeiter bei der Arbeit in der Rotweinstraße. Fotos: Stadt/cb


Das bereits vor zwei Jahren freigelegte Untersuchungsfeld im südlichen Bereich der merowingerzeitlichen Begräbnisstätte im Bereich der Rotweinstraße wird aktuell wieder von Mitarbeitern der Forschungsstelle intensiv erforscht. Sie graben, dokumentieren und bergen Jahrhunderte alte Artefakte.

Die Forschungsgeschichte dieser Fundstelle begann jedoch bereits vor fast 100 Jahren.

Die ersten Fundmeldungen aus diesem Bereich stammen aus dem Jahr 1934. Weitere Bestattungen wurden während der 1950er und 1960er Jahre bei Bauarbeiten entdeckt, so dass sich das Mainzer Amt für Bodendenkmalpflege im Jahr 1978 zu einer wissenschaftlichen Untersuchung des Bereiches entschied. Im Laufe dieser ersten Grabungskampagnen konnten von den Archäologen mehr als 150 Bestattungen freigelegt und dokumentiert wurden.

Die 2015 wieder aufgenommenen Ausgrabungen werden seit 2017 als mehrjährig geplantes Forschungsprojekt durchgeführt. Unterstützung erhält die Forschungsstelle Kaiserpfalz vom Grundstückseigentümer, dem Unternehmer Boehringer Ingelheim, und der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Landesarchäologie in Mainz. Das Projekt dient der Erkundung des Gräberfeldes und seiner räumlichen Grenzen sowie dem Ziel, stadtplanerische Belange in Hinsicht auf eine mögliche zukünftige Bebauung zu unterstützen.

Mit den Untersuchungen der letzten Jahre hat sich die Anzahl der bekannten Gräber auf annähernd 250 erhöht. Obwohl die meisten Gräber bereits im Mittelalter beraubt wurden, ermöglichen die wenigen zurückgelassenen Beigaben eine Datierung des Gräberfeldes in die Zeit zwischen den Jahren um 500 und kurz nach 700 n. Chr. Eine Auswahl erhalten gebliebener Funde, die in Rahmen des laufenden Forschungsprojektes geborgen und ausgewertet werden konnten, werden vom 20. August an in der Ausstellung „Der charismatische Ort“ im Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus präsentiert.

Das Team der Forschungsstelle Kaiserpfalz wird voraussichtlich noch bis Oktober diesen Jahres auf dem Gräberfeld tätig sein. In den nächsten Wochen wird dabei die nördliche Abgrenzung des Gräberfeldes im Fokus der Wissenschaftler stehen. Die Wissenschaftler hoffen, durch die für die folgenden Jahre geplanten Arbeiten die gesamten Ausmaße der Begräbnisstätte erfassen und durch neue geborgene Beigaben die genauere zeitliche Abfolge dieser Grablegen bestimmen zu können.