Stadtarchiv nimmt „Krämersche Regesten“ in Empfang

Foto: Übergabe der „Krämerschen Regesten“ an das Stadtarchiv Ingelheim, v.l.n.r.: Dieter Franz, Peter Weiland, Nadine Gerhard, Stefan Rolletter, Dr. Günter Weis, Dr. Christopher Volbach. Foto: Stadtverwaltung Ingelheim.


„Die Stadt Ingelheim ist stolz, an der Aufbereitung und Auswertung dieses Archivales Anteil zu haben“, so Stefan Rolletter, Leiter des Hauptamtes, am vergangenen Dienstag zum Ankauf der „Krämerschen Regesten“. Rolletter nahm in Vertretung von Oberbürgermeister Ralf Claus für die Stadt Ingelheim das Dokument von Dr. Christopher Volbach entgegen.

Bei diesem Schriftstück handelt es sich um ein bedeutendes Dokument für die Ingelheimer Stadtgeschichte, das von Philipp Krämer angefertigt wurde. Im Jahr 1917 konnte der verdienstvolle Geschichtsforscher und Ingelheimer Heimatkundler Einsicht in das damals im Staatsarchiv Darmstadt verwahrte sogenannte „Große Ingelheimer Copiar“ nehmen, einen Folianten, der über 3.000 Rechtsurkunden und Besitzverträge aus den Jahren 1377 bis 1435 enthielt. Einige davon fasste Krämer in Regestform zusammen und fertigte seine Aufzeichnungen an. Weil der erwähnte Copiar 1944 bei einem Luftangriff verbrannte, sind diese Abschriften in den „Krämerschen Regesten“ heute die einzige Quelle für mehr als 600 Urkunden aus jener Zeit.

Dr. Volbach, seines Zeichens leidenschaftlicher Hobby-Historiker, wertet die Regesten in einem demnächst erscheinenden Buch aus. Der hauptberuflich bei Boehringer Ingelheim angestellte Chemiker und Vorbesitzer der Regesten betont: „Die Abschrift Philipp Krämers ist deshalb so bedeutend, weil sie auch über Ingelheim hinaus Kaufverträge und Urkunden beinhaltet. Somit schließen die Krämerschen Regesten eine Lücke in der historischen Überlieferung.“ Dr. Volbachs Buch wird in Zusammenarbeit mit der Hessischen Historischen Kommission Darmstadt publiziert und von dieser und aus diversen Fördermitteln finanziert. Darunter ist auch die Stiftung Ingelheimer Kulturbesitz, deren Vorsitzender Dr. Günter Weis erklärt: „Wir haben es hier mit einem wertvollen Schriftstück für die lokale und regionale Geschichtsschreibung zu tun, das allein ästhetisch durch die Abfassung in deutscher Kurrentschrift beeindruckt.“

Im Beisein von Stadtarchivarin Nadine Gerhard sowie Dieter Franz, Gründer der Stiftung Ingelheimer Kulturbesitz, und Peter Weiland, der ebenfalls einen Beitrag zur Aufarbeitung der Schriften leistete, übergab Dr. Volbach den gesamten „Nachlass Krämer“, in dessen Rahmen die Regesten neben breit gefächerten genealogischen Recherchen und unzähligen Manuskriptentwürfen einen Teilbereich darstellen, an Stefan Rolletter, der sich erfreut zeigte, dass die Stadt zu dem Projekt einen Beitrag leisten und das Konvolut ins Stadtarchiv aufnehmen kann.

Stadtarchivarin Nadine Gerhard erfasste den Bestand bereits mit Hilfe der vorhandenen Archivsoftware unter den Signaturen Rep. A/214/1 bis 100. Neben einer ausführlichen Erfassung der inneren und äußeren Merkmale der einzelnen Dokumente wurde vom Archiv auch eine komplette Digitalisierung des Bestandes vorgenommen. Der Nachlass ist zu den Sprechzeiten des Archivs nach vorheriger Anmeldung für jeden Interessierten unter Einhaltung der gesetzlichen Sperrfristen einsehbar.