- Rathaus • Politik
- Wohnen • Umwelt
- Leben • Freizeit
- Dienstleistungen
Wirtschaft
Unternehmensbefragung Ingelheim: Starker Standort mit klaren Erwartungen der Wirtschaft
Dafür wurden zwischen November und Dezember 2025 rund 900 Ingelheimer Unternehmen aller Größen und Branchen befragt.
„Die Befragung zeigt sehr deutlich, wo angesetzt werden muss: bei Flächenverfügbarkeit, Fachkräftesicherung, Digitalisierung und einer modernen, wirtschaftsnahen Verwaltung“, sagt Dr. Florian Steidl, Geschäftsführer der IHK für Rheinhessen für die Region Ingelheim/Bingen/Alzey. „Die Unternehmen erwarten keine Sonderbehandlung, sondern verlässliche und effiziente Rahmenbedingungen.“
Ingelheim bleibt attraktiv – aber der Druck nimmt zu
Die Ergebnisse zeigen: Ingelheim wird von der Mehrheit der Unternehmen als lebenswerter und stabiler Standort wahrgenommen. Besonders positiv bewertet werden die Lage, die Verkehrsanbindung sowie die allgemeine Lebensqualität. Insgesamt weist Ingelheim eine stabile Standortbindung der Unternehmen auf. Gleichzeitig wird deutlich, dass viele Betriebe zunehmend unter wirtschaftlichem Druck stehen.
„Die Umfrage bestätigt, was wir aus vielen Gesprächen kennen: Ingelheim ist gut aufgestellt, aber kein Selbstläufer“, erklärt Sven Kutzner, Vorsitzender des Gewerbevereins Ingelheim aktiv e. V. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen spüren steigende Kosten, Personalmangel und strukturelle Hürden sehr deutlich. Diese Sorgen müssen ernst genommen werden.“
Innenstadt, Wohnen und Lebensqualität
Die hohe Lebensqualität, das Image der Stadt sowie das aktive Vereinsleben und das kulturelle Angebot zählen zu den großen Stärken Ingelheims. Gleichzeitig wird die Attraktivität der Innenstadt von vielen Unternehmen kritisch gesehen. Gewünscht werden mehr Aufenthaltsqualität, Grünflächen, Gastronomie und eine stärkere Belebung, um Handel und Dienstleister nachhaltig zu stärken.
Fachkräftemangel als zentrales Zukunftsthema
Die Internationalität und Willkommenskultur werden positiv hervorgehoben. Knapp 40 Prozent der Unternehmen hatten in den vergangenen zwölf Monaten Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Besonders betroffen sind Handwerksbetriebe, die Gastronomie sowie spezialisierte Tätigkeiten.
Hohe Wohnkosten werden nicht nur als soziale, sondern auch als wirtschaftliche Herausforderung wahrgenommen. Sie erschweren aus Sicht vieler Betriebe die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden erheblich.
„Die Ergebnisse zeigen sehr klar, dass Fachkräftesicherung eine der größten Aufgaben der kommenden Jahre bleibt“, betont Oberbürgermeister Ralf Claus. „Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum, eine gute Infrastruktur, verlässliche Kinderbetreuung und eine Stadt, in der Menschen gerne leben und arbeiten. Diese Themen stehen bei uns weiterhin ganz oben auf der Agenda.“
Infrastruktur: solide Basis, aber Engpässe bei Flächen
Die Verkehrsanbindung mit Pkw und Lkw sowie der Zustand der Straßen werden überwiegend positiv bewertet. Kritischer fällt das Urteil beim Angebot an Gewerbeflächen und bei den gewerblichen Miet- und Immobilienpreisen aus. Viele Unternehmen berichten von Schwierigkeiten, geeignete Flächen für Erweiterungen oder Neuansiedlungen zu finden.
Stadtverwaltung und Politik: Wunsch nach mehr Tempo und Digitalisierung
Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung wird insgesamt als ordentlich eingeschätzt. Persönliche Ansprechpartner werden vielfach positiv hervorgehoben. Gleichzeitig wünschen sich viele Unternehmen schnellere, transparentere und stärker digitalisierte Verwaltungsprozesse sowie eine deutlichere Berücksichtigung wirtschaftlicher Belange in politischen Entscheidungsprozessen.
Blick nach vorn: Klare Handlungsfelder
Auf die Frage nach den größten Herausforderungen der kommenden fünf Jahre nennen die Unternehmen vor allem steigende Kosten, den Fachkräftemangel sowie Defizite bei digitaler und räumlicher Infrastruktur. Entsprechend klar sind die Erwartungen an Politik und Verwaltung:
- Verbesserung der Verfügbarkeit von Gewerbe- und Wohnflächen
- Beschleunigung und Digitalisierung von Verwaltungsprozessen
- Weitere Stärkung der Innenstadt als Wirtschafts- und Aufenthaltsort
- verlässliche und kalkulierbare Standortkosten
- ein kontinuierlicher, transparenter Dialog mit den Betrieben am Standort
Die beteiligten Institutionen verstehen die Ergebnisse der Befragung als klare Arbeitsgrundlage für die kommenden Jahre. Ziel ist es, gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Verwaltung gezielt an den identifizierten Handlungsfeldern zu arbeiten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Ingelheim langfristig zu sichern.

