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Integration
„Runder Tisch Asyl“: Gelingende Integration dank vielfältigen Engagements
Für Oberbürgermeister Ralf Claus, der das Format vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen hatte, war es der letzte „Runden Tisch Asyl“ seiner Amtszeit. Er nutzte die Gelegenheit, sich bei allen Beteiligten für das große Engagement der vergangenen Jahre zu bedanken. „Dass die Integration von Menschen mit Fluchterfahrung in Ingelheim so gut gelingt, hat mit ihrem Einsatz zu tun“, lobte Claus die Anwesenden. „Viele Haupt- und Ehrenamtliche tragen dazu bei, dass Neuankommende in der Stadtgesellschaft herzlich aufgenommen werden und teilhaben können“. OB Claus ist sicher, dass auch in den kommenden Jahren das Thema Unterbringung und Wohnraum die größte Herausforderung bleiben wird. Nur wenn die Menschen auf lange Sicht eigenen Wohnraum anmieten können, finden sie die notwendige Stabilität, Sicherheit und Privatsphäre, was die langfristige Integration in die Gesellschaft erheblich erleichtert. OB Claus und Dr. Dominique Gillebeert, Leiterin der Stabsstelle für Vielfalt und Chancengleichheit, appellierten an Eigentümer*innen, geeigneten Wohnraum an die Stadt Ingelheim oder auch an anerkannte Geflüchtete zu vermieten. Nur so könne die Strategie der dezentralen Unterbringung beibehalten werden.
Erfreuliche Kriminalstatistik
Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Fakten, die seitens des stellvertretenden Leiters der Polizeiinspektion (PI) Ingelheim, Steffen Loth, vorgetragen wurden, mehr Beachtung finden sollten. Er berichtete, dass in Bezug auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) der PI Ingelheim für das Jahr 2025 ein leichter Rückgang der Fallzahlen festgestellt werden kann, was dem allgemeinen Landestrend entspricht. Wichtig ist hierbei stets festzustellen, dass durch diese Statistik lediglich der Polizei bekanntgewordene Straftaten erfasst werden. Die Statistik lässt nicht den Schluss zu, dass im Dienstgebiet der PI Ingelheim bestimmte Delikte unverhältnismäßig oft von Zuwander*innen begangen werden, sondern im Verhältnis dem Bevölkerungsschnitt entsprechen. Dieser erfreuliche Trend dürfte nach Ansicht der PI Ingelheim unter anderem auch dem großen Engagement der der vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer*innen bei der Integration in Ingelheim, sowie der Stadt Ingelheim, geschuldet sein.
Die Ausländerbehörde gab einen Überblick über den Stand der Einbürgerungen, das Eingangskonzept in der Ausländerbehörde, die neu eingeführte Abholstation, die Vorgehensweise bei Abschiebungen und freiwillige Rückreisen und die Digitalisierung von Anträgen und Verpflichtungserklärungen.
Das Jobcenter erläuterte Vermittlungszahlen, Qualifizierungsmaßnahmen und Hemmnisse und ging auf den bevorstehenden Rechtskreiswechsel von Geflüchteten aus der Ukraine ein. Die Auswertung der Daten hat ergeben, dass es sich hierbei nur um eine geringe Fallzahl handelt (70 bis 80 Personen für den gesamten Landkreis), sodass kein übermäßiger Verwaltungsaufwand erwartet wird.
Integrationskurse und Spracherwerb als wichtige Säulen
Die Volkshochschule informierte über ihr Angebot an Sprach- und Orientierungskursen. Großes Thema war die Aussetzung der Zulassung zu Integrationskursen, die laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 2026 rund 130.000 Personen treffen, was etwa 40 Prozent aller Teilnehmenden entspricht. Betroffen sind auch in Ingelheim Asylbewerber*innen, Geduldete und Schutzsuchende aus der Ukraine sowie EU-Bürger*innen, darunter viele junge Menschen und besonders vulnerable Gruppen. Die Teilnehmenden des Runden Tisches waren sich einig: Für diese Menschen ist diese politische Entscheidung fatal, weil das Erlernen der deutschen Sprache ihnen extrem erschwert wird. Motivationsverlust, soziale Isolation und unterbrochene Integrationsverläufe sind die Folge. Daher war der allgemeine Tenor, dass die 2023 mit dem Chancenaufenthaltsgesetz in Kraft getretene Zielgruppenerweiterung im Gesamtprogramm Sprache erhalten bleiben muss.
Gelingende Integration dank Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt
Gillebeert berichtete zum Schluss über die vielen Angebote, die Ehrenamtliche anbieten oder ermöglichen. Sie wies darauf hin, dass viele Menschen, die als Asylsuchende nach Ingelheim gekommen sind, sich mittlerweile selbst als Ehrenamtliche engagieren. Sie bedankte sich ebenfalls für das große Engagement, dass maßgeblich dazu beiträgt, vielen Menschen die Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen und die Solidarität innerhalb der Stadtgesellschaft zu steigern.
Der Runde Tisch Asyl zeigte einmal mehr deutlich: Integration in Ingelheim gelingt. Regelmäßiger fachlicher Austausch, koordinierte Lösungsansätze, eine offene und engagierte Zivilgesellschaft und die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt spielen dabei entscheidende Rollen.

